Mein 3. Tag in Berlin. 11 Monate Georgien vorbei. Ein kleiner Rück- und Ausblick und der vorerst letzte Eintrag in meinem Blog:

Grundsätzlich kann ich sagen- und das habe ich ja auch schon oft gesagt-, dass die meisten meiner Erwartungen übertroffen wurden. Vor meiner Ausreise wusste ich so gut wie nichts über Georgien und ich habe es sehr genossen mir auf diese Weise ein ganz eigenes Bild machen zu können. Ich habe schnell eine Wohnung gefunden, in der ich mit anderen Freiwilligen zusammen wohnte, und habe mich sofort wohl gefühlt. In meiner Schule wurde ich sofort sehr nett empfangen und konnte schon in den ersten Tagen bei verschiedenen Lehrern und Klassenstufen hospitieren. Da die Schule sehr groß ist (1600 Schüler) und es im Kollegium schon allein 21 Deutschlehrer gibt, hatte ich allerdings von Anfang an nicht das Gefühl unabdingbar zu sein. Ich könnte mir vorstellen, dass es andere Einsatzstellen gibt an denen man den Lehrern und Schülern noch dringender unter die Arme greifen muss.

Es hatte aber ganz eindeutig auch seine Vorteile, da ich auf diese Weise viele Freiheiten hatte, mir meinen Stundenplan selbst zusammenstellen konnte und mich nach Belieben auf einige Klassen und Schüler konzentrieren konnte. Obwohl mir diese freie Art des Arbeitens gut gefallen hat, hätte ich mir manchmal gewünscht ein bisschen mehr gefordert zu werden und auch einfach mal eine Aufgabe zugewiesen zu bekommen.

Über Georgien und Tiflis und vor allem die Georgier kann ich in diesem kurzen Abschlussbericht kaum noch etwas sagen, weil ich bei diesem Thema sehr schnell ins Schwärmen gerate und Seiten über Seiten füllen müsste. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele andere Länder gibt, die sich so gut dazu eignen ein Jahr dort zu verbringen. Die Menschen sind unglaublich gastfreundlich, und das Land in jeder Hinsicht vielfältig und interessant. Da das Land sehr klein und die Verkehranbindung sehr günstig ist, kann man- wenn man möchte- an jedem Wochenende herumreisen, ob ans Meer oder in die Berge. Ein Problem stellt allerdings ganz eindeutig die Sprache dar. Etwas ernüchtert muss ich feststellen, dass ich nach 11 Monaten, die ich in Georgien verbracht habe, nicht wirklich von mir behaupten kann Georgisch zu sprechen. Die Sprache ist einfach noch nicht wirklich didaktisiert und man muss die Sprache wirklich lernen wollen, sonst hat man keine Chance…

Von Anfang an war mir relativ klar, dass „Lehrer sein“ nicht mein großer Traum war und ist. Meiner beruflichen Orientierung hat das Jahr also nicht direkt gedient. Trotzdem habe ich die Arbeit an der Schule sehr genossen- erstens weil mir die Arbeit mit den Kindern Spaß gemacht hat und zweitens weil es interessant war eine erste berufliche Erfahrung zu machen (die über Babysitten und Nachhilfe geben hinausging).

Kulturell und sozial gesehen habe ich aber dafür umso mehr für mich gelernt. Auch wenn ich vorher schon einmal einige Monate im Ausland war, war es eine ganz andere und neue Erfahrung für mich. Ich habe das Gefühl mich in meinen Einstellungen geändert zu haben, in gewisser Weise offener, aber auch geduldiger geworden zu sein. Dies liegt vielleich daran, dass ich zum ersten Mal längere Zeit in einem Land gelebt habe, in dem nicht alles genauso gut funktioniert wie in Deutschland. Ich möchte versuchen mir ein Beispiel an den Menschen nehmen, die mit wenig Geld und oft wenig Zukunftschancen in Georgien leben und trotzdem so viel Lebensmut und Herzlichkeit ausstrahlen.

Auch wenn ich wie gesagt das Gefühl hatte in meiner Arbeit nicht meine persönlichen Träume verwirklichen zu können, so bin ich mir doch sicher den Kindern und Lehrern der 21. Schule sehr geholfen zu haben. Ich habe mich immer bemüht den Lehren Arbeit abzunehmen, vor allem aber den Kindern die Möglichkeit zu geben vom normalen Unterrichtsgeschehen abweichen zu können. Ich habe mit verschiedenen Klassen kleine Projekte und Unterrichtseinheiten durchgeführt, sie selbst mitentscheiden und ausprobieren lassen und hatte immer das Gefühl erwünscht zu sein. Die Tatsache, dass ich Deutsche bin, die versucht Georgisch zu lernen, hat alle begeistert und so habe ich immer sehr schnell einen guten Zugang zu allen Schülern gehabt. Wir brauchten nie lange Eingewöhnungsphasen, sondern waren einfach aktiv und haben gut zusammengearbeitet, ohne dass ich das Gefühl hatte sie überreden und zwingen zu müssen. Im nächsten Jahr kommt zwar leider kein Freiwilliger an die Einsatzstelle, aber ich hoffe wirklich, dass sich das wieder ändert, denn alles was man den Schülern anbietet wird mit rührender Begeisterung aufgenommen und es macht wirklich Spaß zu merken, dass man den Kindern eine Freude machen kann.

Beim Rückblick auf ein so tolles Jahr ist es mir absolut unmöglich ein einzelnes Erlebnis als das Tollste oder Wichtigste fetszuhalten. Trotzdem gab es aber immer wieder Ereignisse, die mir vermutlich immer in Erinnerung bleiben werden. In der Einsatzstelle war es einfach die Tatsache, dass ich, wenn ich einmal morgens müde oder schlecht gelaunt zur Arbeit gegangen bin, gemerkt habe wie diese Gefühle an der Eingangstür kleben zu bleiben schienen. Überall in den Gängen und Räumen blickte ich nur in strahlende Gesichter und es war schlicht und einfach unmöglich nicht zurück zu strahlen. Bei den begeisterten Fragen der 2. und 3. Klässler wie es mir gehe und wann ich denn endlich mal wieder in ihre Klasse kommen würde hat sich in mir einfach sofort ein Glücksgefühl ausgebreitet und somit hoffe ich allen Schülern und Lehrern als freundlich und stets gut gelaunt in Erinnerung zu bleiben.

Abgesehen davon hatte ich die einprägsamsten Erlebnisse außerhalb von Tiflis in den georgischen Dörfern. Dort ist es üblich bei Gastfamilien zu übernachten und es ist schwer zu beschreiben WIE herzlich man dort immer aufgenommen wurde. Ich hatte nie das Gefühl, dass die Leute Geld an einem verdienen wollten, oft hat man mit den Familien zusammen gegessen, sich stundenlnag unterhalten und immer wurde einem das Gefühl vermittelt Teil der Familie zu sein. Da es in Georgien zum Glück noch nicht so viele Touristen gibt, sind die Leute noch interessiert an den Geschichten und Hintergründen der Besucher und genau diese Art und dieses Verhalten der Menschen, die ich noch nie zuvor erlebt habe, werde ich am allermeisten vermissen.

Jetzt bin ich seit 3 Tagen wieder in Berlin und Georgien scheint mir gerade erst vorbei und gleichzeitig schon wieder unendlich weit weg zu sein. Ich weiß jetzt sicher, dass ich an der HU in Berlin Slawistik und Kunstgeschichte studieren werde und somit fängt einfach etwas Neues an und ich realisiere so langsam, dass Georgien wirklich vorbei ist.
Andererseits- was heißt schon vorbei?! Ich werde mich wieder für den Georgisch Kurs an der HU anmelden- diesmal für Fortgeschrittene-, ich werde mich bemühen mit vielen Leuten in Kontakt zu bleiben, ich werde versuchen georgisch zu kochen, wenn ich „Heimweh“ bekomme und, das ist das Allerwichtigste, ich spare schon jetzt auf einen Georgien Urlaub im nächsten Sommer!!

Ich merke schon, dass ich manchmal mit Sehnsucht und leichten Bauchschmerzen an das schöne Jahr zurückdenken werde, bin aber vor allem dankbar und glücklich darüber, dass ich in Georgien eine zweite Heimat gefunden habe, in der ich- da bin ich mir sicher- immer willkommen sein werde! Danke an alle (in Deutschland und Tbilisi), die mich unterstützt haben, mich besucht haben, interessiert waren, mich aufgenommen haben und mir das Gefühl gegeben haben zu Hause zu sein!

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Kleine Nettigkeiten

Ich weiß nicht genau ob es daran liegt, dass ich Ausländerin bin oder an der georgischen Mentalität, aber ich habe das Gefühl, dass man hier viel häufiger mit fremden Menschen ins Gespräch kommt. Allein in Bussen und mit Taxifahrern, irgendwie kommt man jedes Mal ins Plaudern… So auch wieder in Mestia: dort gibt es eine Quelle aus der angeblich sehr gesundes Mineralwasser sprudelt, wir gingen also dorthin und trafen 2 Männer (georgische Bauarbeiter, wie wir später erfuhren) an, die dort gerade ihre Flaschen auffüllten. Recht schnell kam man ins Gespräch und wurde, wie es so üblich ist in den georgischen Dörfern, auch prompt zum gemeinsamen Trinkgelage eingeladen. Da es gerade erst Mittag war versuchten wir uns aus der Sache rauszureden und konnten immerhinb dafür sorgen, dass nur eine Flasche Wodka gekauft wurde. Mit dieser machten wir es uns auf einem Stein nah der Quelle gemütlich und dann ging es los: Auf Georgien, Deutschland, die Geschwister, die Eltern, Gott, die Verstorbenen und die Freundschaft, da gab es kein pardon… Zum Abschluss vermachte mir der eine Bauarbeiter sogar noch seine Mütze, was wirklich ziemlich süß war.

Auf der Rückfahrt nach Tbilisi saß ich mit mehreren Georgiern ganz hinten in der Marschrutka und sie machten es sich zur Aufgabe mir die Fahrt so angenehm wie möglich zu gestalten. Immerzu fragten sie ob es mir zu warm, zu kalt oder zu eng sei, ob ich hungrig oder durstig wäre oder sie sonst etwas verändern könnten. Und immer wenn ich einschlief und mein Kopf vom Sitz zu rutschen drohte wurde mein Kopf von sanfter Hand wieder in die andere Richtung gelenkt. Es ist einfach schön wie nett die Menschen hier sind. Alle. Immer. Das wird mir in Deutschland fehlen, glaube ich.

 

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MESTIA

Nachdem ich Tbilisi einen guten Monat gar nicht verlassen und einfach eine ruhige Zeit verbracht habe, reihen sich die Reisen jetzt wieder ein bisschen aneinander… Vom 22. Juni bis zum 02. Juli hatte ich Besuch von Jo- einer Freundina aus Berlin und der musste ich natürlich zeigen was „mein Land“ so zu bieten hat. Zusammen mit meinen Mitbewohnern Charlotte und Lukas, sowie einem weiteren Freund beschlossen wir also einige Tage in Mestia zu verbringen.

Mestia ist ein wunderschönes kleines Dorf im Nord-Westen Georgiens, das auf 1500m Höhe mitten im großen Kaukasus liegt. Neben den wunderschönen Bergen, die sich rund um Mestai in den Himmel erheben hat die Stadt noch ein anderes Wahrzeichen: Das Stadtbild wird geprägt von einer großen Anzahl von Wehrtürmen aus dem 12. Jahrhundert, die Mestia einen ganz eigenen Charme verleihen.

Mit dem Nachtzug fuhren wir also zunächst nach Sugdidi (südlich von Mestia), um dann am nächsten Morgen eine Marschrutka nach Mestia zu nehmen. Der zweite Teil der Reise verlief zwar nicht ganz reibungslos, das der Marschrutkafahrer seinen Autoschlüssel verlegt hatte und- nachdem es dann doch endlich losgegangen war- ein Erdrutsch die Straße nach Mestia versperrte, sodass wir nach nur einer Stunde Fahrt schon wieder halten mussten, um auf den Traktor zu warten, der die Straße freiräumen sollte. Trotzdem kamen wir irgendwann gen Mittag im leider sehr verregneten Mestia an.

In Mestia wollten wir in einem Haus wohnen, das einem Bekannten aus Tbilisi gehört, vor Ort stellte sich allerdings heraus, dass in diesem Haus weder Wasser, noch Strom, noch Küche , noch Bad, noch genügend Betten vorhanden waren. Lukas, der schon seit einigen Tagen in Mestia war und sich das Haus glücklicherweise schonmal angeguckt hatte, konnte aber die gr0ße Katastrophe abwenden. Er klingelte einfach bei den Nachbarn, um um Herberge zu bitten- und siehe da: Die oberere Etage, bestehend aus einem großen Raum mit 6 Betten und einem riesigen Balkon, stand genau in dieser Woche leer… So konnten wir also direkt nach unserer Ankunft in Mestia bei unserer unglaublich liebenswerten Gastfamilie einziehen.

Trotz des wirklich sehr schlechten Wetters erkundeten wir in den nächsten Tagen die Umgebung, machten kleine Wanderungen und ließen es uns gutgehen..

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Georgische Sponanität

Seit 3 Nächten schlafe ich jetzt schon auf einer Matratze im Wohnzimmer, da in meinem Zimmer statt einem Bett 5-6 georgische Bauabeiter zu finden sind.  Das kam wie folgt:

Am Freitag morgen gegen 7.15h wachte ich auf, weil über meinem Kopf auf dem Dach mehrere Leute entlangliefen und sich das anhörte wie ein erneutes Erdbeben. Um 7.30h saß ich friedlich beim Frühstück. Um 7.40h stand plötzlich mei Vermieter in der Küche und sagte er müsse mal aufs Dach. Um 7.45h rief mich mein Vermieter nach oben und teilte mir mit, dass ich innerhalb von 10 Minuten mein ganzes Zimmer ausräumen müsse, da jetzt sofort das Dach erneuert würde und es „ein bisschen staubig“ werden könnte. Um 07.50h kletterten 3 Bauarbeiter übers Dach durchs Fenster in mein Zimmer. um 10h hatte ich kein Dach mehr.

Leider geht es mit dem Dach bauen aber nicht so schnell wie mit dem Dach abreißen und so muss ich jetzt wohl oder übel auf unbestimmte Zeit mitten in der Wohnung schlafen. Die Bauarbeiter haben mich gerade darum gebeten ihr Bier kaltzustellen, was dafür spricht, dass das mein Zimmer heute noch nicht wieder bewohnbar sein wird.

Hach ja.

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Unsere neuen „Mitbewohner“ :)

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Überreste

Überreste

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Mein Zimmer am 15.Juni um 11h morgens

Mein Zimmer am 15.Juni um 11h morgens

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