
Karaköy
Also: Istanbul…
Samstag: Ganz früh am Morgen des 17. März ging es los und ich nahm ein Taxi zum Flughafen. Auch wenn mein Aufbruch durch einen Stromausfall in der Wohnung (der das Fertigpacken erschwerte) und einen etwas aufdringlichen Taxifahrer nicht ganz reibungslos verlief, ging alles gut und ich saß glücklich und müde im Flugzeug. In Istanbul angekommen nahm ich einen Bus und wurde von Max abgeholt. Zusammen nahmen wir die Fähre von Kadiköy (Asien) und sind nach Karaköy (Europa) gefahren. Von da sind wir ins Hostel gelaufen, haben die Sachen abgestellt und sind frühstücken gegangen. Bei herrlichstem Sonnenschein sind wir nach Eminönü über die Galata Brücke und durch die basaarigen Straßen vor dem Großen Touri- Bazaar gelaufen, durch den wir dann anschließend nur durchmarschiert sind, weil wir nicht wie dumme Touris ausgenommen werden wollten. Wir schlenderten noch ein bisschem weiter durch Fatih und Sultanahmet, an der blauen Moschee und Hagia Sofia vorbei, um schließlich mit der Tram zur Mimar Sinan Üniversite zur Transborder-Konferenz zu fahren. Die Konferenz war ein Treffen von Flüchtlingsaktivisten in und um Europa, die zum Ziel hatte, nicht staatliche Netzwerke zur Überwachung und Aufdeckung administrativer Diskriminierung und Willkür der EU gegen Flüchtlinge zu entwickeln. Klingt kompliziert, ist aber eben auch ein ziemlich umfangreiches und wichtiges Thema…
Abends haben wir uns beim Public Viewing den Fußballklassiker Fenerbahce gegen Galatasaray (beides Mannschaften aus Istanbul) angesehen und dazu lecker türkisch gegessen (Gözleme und Kumpir). Das Spiel ging 2:2 aus und machte schon wahnsinnig Lust auf die bevorstehende Fußball-EM im Sommer die hoffentlich auch in Tbilisi auf Leinwänden oder doch wenigstens in netten Bars gezeigt werden wird…
Am Sonntag fuhren Max, ich und all die anderen Teilnehmer der Transborder-Konferenz nach Edirne- eine Stadt nah an der griechisch-türkischen Grenze- zu einem Internierungslager. Dort gab es dann eine Demonstration und anschließend fuhren wir an den Grenzfluss Evros wo wir uns mit Leuten aus Edirne unterhielten, um herauszufinden wie ihr Bezug zu dem Lager ist. Da ich noch nie vorher an einem solchen Ort war, mich eigentlich generell noch nie intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt hatte, war dieser Ausflug eine sehr extreme Erfahrung für mich. Ich wusste auch nicht genau wie ich mich fühlen und verhalten sollte, da all die Leute um mich herum so wahnsinnig engagiert und erfahren waren. Am frühen Abend ging es dann zurück nach Istanbul.

Blick von Europa nach Asien
Nachdem wir am Montagmorgen im Wohnzimmer der Couchsurfer, bei denen wir geschlafen hatten, aufgewacht waren machten wir einen Spaziergang durch die Bogazici Üniversite nach Bebek. Da spielte man dann doch spontan mit dem Gedanken einfach in Istanbul zu studieren, das der Campus der Uni einfach unübertrefflich schön ist- mit großem Park und Meerblick!!
Der Rest des Tages verlief sehr entspannt, wir liefen einfach durch die Gegend und trafen uns am Abend mit unseren Couchsurfern wieder und luden sie zum Essen ein. Anschließend gingen wir noch in eine sehr nette Bar namens Leyla Teras und anschließend noch tanzen zu türkischer Musik im “Eksi Beirut”.
Am Dienstag machten wir zunächst wie üblich einen langen Spaziergang und trafen später die anderen im Stadtteil “Tarlabasi” wieder wo wir zunächst in die Küche einer Soildaritätsgruppe und anschließend zu einem Solidaritätsgruppen-Treffen gegangen sind, wo über das Schicksal einiger minderjähriger Flüchtlinge diskutiert wurde.

In den Straßen von Tarlabasi
Am Abend sagten uns leider spontan unsere Couchsurfer die Übernachtungsmöglichkeit ab, wir fanden jedoch glücklicherweise schnell Ersatz und schliefen in den nächsten 2 Nächten bei Firad und Sejnor, einem türkischen Paar.
Den Mittwoch haben wir im Stadtteil “Aksaray”verbracht und sind an der Promenade am Meer spazierengegangen und von dort aus in einem Riesenbogen zurück zum Hostel. Abends wurden wir netterweise wieder von Firat und Sejnor aufgenommen.
Am Donnerstag gingen wir morgens zu “Helsinki”, wo Max ab Juni sein Praktikum machen wird und guckten uns die Einrichtung an. Wir verabschiedeten die anderen, die alle schon früher nach Hause zurück fuhren und gingen selbst zum Fischmarkt und Hafen von Karaköy. Wieder nahmen wir die Fähre nach Kadiköy (Asien) und trafen uns mit unserem nächsten Gastgeber- Daniel. Ihn hatten Max und ich im November im Nachtzug in Georgien kennengelernt und schon damals hatte er uns herzlich eingeladen bei ihm zu übernachten, sollten wir mal nach Istanbul kommen. Wir haben unsere Sachen bei ihm abgelegt und sind mit ihm köstlich essen gegangen!



Die blaue Moschee

Hagia Sofia
Die letzten 2 Tage- der Freitag und Samstag verliefen ohne besondere Vorkommnisse, waren aber ebenso schön wie der ganze Rest der Reise! Wir kauften uns viele schöne türkische Tücher und Hosen, spazierten durch die Sonne, ließen uns von Daniel die asiatische Seite zeigen, tranken frisch- gepressten Orangen- und Granatapfelsaft und genossen es auch einfach nochmal zu zweit durch die Straßen zu schlendern… Tja, und dann waren die 8 Tage auch schon wieder vorbei, Max und ich fuhren abends zusammen zum Flughafen, beide voller schöner Bilder und voller Lust sobald wie möglich wieder nach Istanbul zu fahren.
Auch wenn Istanbul natürlich viel viel zu groß und vielfältig ist, um die Stadt in einer Woche wirklich kennenzulernen, habe ich doch das Gefühl die Zeit bestmöglich genutzt zu haben- einerseits waren all die Aktionen der Transborder- Konferenz super interessant und andererseits habe ich einfach den Urlaub in dieser wunderschönen und sonnigen Stadt genossen!

Letzte Fahrt mit der Fähre nach Asien